Geschichte der Trakehner

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Das ostpreußische Landpferd - Schweike genannt - war ein kleines, unverwüstliches, genügsames Pferde von brauner, graubrauner, mausgrauer oder Falbfarbe mit Aalstrich. Es dürfte ein Abkömmling des Tarpan gewesen sein. Seine Nachkommen finden wir noch weit verbreitet in Südostpreußen, besonders in Masuren. Es ist ein Pferd mit einem ungeheuten Leistungswillen - dem jedoch nur der Kenner seine Leistungsfähigkeit ansieht..

Der deutsche Ritterorden, der 1231 nach Ostpreußen kam, förderte die Zucht dieses einheimischen Landschlages; er gründete daneben zahlreiche Gestüte zur Zucht des schweren Ritterpferdes. Im Jahre 1732 begann ein neuer, bedeutungsvoller Zeitabschnitt.

Kaiser Friedrich Wilhelm I. hatte erkannt, daß ein veränderter Pferdetyp benötigt wurde, um den veränderten Anforderungen an Kriegstaktiken Rechnung zu tragen. Man benötigte ein schnelleres, leichteres Pferd, daß außerdem noch Kraft und Ausdauer besaß.
Auf Befehl Friedrich Wilhelms I. wurden einzelne verstreut liegende Stutereien in dem königlichen Stutamt Trakehnen, dem späteren Hauptgestüt Trakehnen, vereinigt und mit der systematischen Zucht begonnen. Das zu züchtende Pferd sollte schick und elegant genug sein, um als Reitpferd für seine Offiziere dienen zu können, aber auch hart genug, um Feldzüge gesund überstehen zu können. Aufgrund seiner Anstrengungen entwickelte sich die Trakehner Zucht bestens.

Auf der anderen Seite gab es in Ostpreußen aber auch die bäuerliche Zucht sowie die größeren Privatgestüte. Beide entwickelten sich ebenso zu hochstehenden Zuchten auf der prinzipiell gleichen Pferdebasis.

Das Hauptgestüt Trakehnen war ein riesiger Komplex, fast schon eine kleine, eigene Stadt. Neben dem eigentlichen Gestüt gab es noch sechzehn Vorwerke, in denen die berühmten Stutenherden aufgeteilt waren.

Die Trakehner wurden "nach Farbe" gezüchtet, was zunächst erst einmal seltsam klingt. In den einzelnen, nach Farbe sortierten Herden konnten auf diese Weise jedoch einzelne Merkmale selektiert werden, die für die gesamte Population nützlich waren.
In der Rappherde im Vorwerk Gurdzen beispielsweise fand man rahmige, kräftige und kalibrige Stuten im Typ des Arbeitspferdes. Berühmte Hengste wie Ararad und Jagdheld wurden mit diesen Stuten angepaart, um das ansonsten sehr fein gebaute Trakehner Pferd zu verstärken. Sogar heute noch schlagen diese "schweren" Gene in den Nachkommen dieser Stuten noch durch.
Die Fuchsstuten wurden im Hauptgestüt Trakehnen selbst gehalten. Abstammend von berühmten Vollblütern wie zum Beispiel Thunderclap xx, waren diese Stuten elegant, sensibel und von hohem Leistungspotential. Trakehnens Fuchsherde soll die beste der Stutenherden gewesen sein, berichten viele Zeitzeugen. Eine der erfolgreichsten Dressurlinien der Warmblutzucht, die hannoveranische A-Linie, die vom Trakehnerhengst Abglanz begründet wurde, stammt aus der Trakehner Fuchsherde.
Die braunen Stuten waren im Vorwerk Kalpakin untergebracht. Sie waren bekannt für ihr hervorragendes Temperament sowei herausragende Reitpferdeeigenschaften. Im Vorwerk Bajohrgallen hingegen wurde die gemischte Herde gehalten. Hier fand man Stuten aller Farben inklucive der Schimmel und hier wurde vornehmlich mit arabischen Hengsten angepaart. Gründerstuten wie Kassette und Donna stammten aus dieser exquisiten Herde und sind auch heute noch die berühmtesten Stuten in der Geschichte der Trakehner.

Ein Hauptbeschäler in Trakehnen lebte wie ein König. Jeder Hengst hatte einen riesigen Paddock, der durch Hecken und Bäume eingezäunt war. Der Stall war ein Gebäude aus Stein, zu einer Seite geöffnet, wie ein Longierzirkel gebaut mit einem schönen Dach und weiteren Verzierungen. Jeder Hengst hatte seinen eigenen Pfleger, immer ältere und verdiente Männer, die ihr Leben in Trakehnen verbracht hatten und über einen "Sechsten Sinn" verfügten.

Es muß ein besonderer Anblick gewesen sein, wenn die Männer morgens die großen Stalltore öffneten und all die vielen schönen Pferde sich auf ihren Weg zu den Weiden machten. Es gab keine eingezäunten Koppeln in Trakehnen, die Herden wurden von einem Reiter gehütet. Die Jungpferde wurden in riesigen Herden gehalten und hatten alle Freiheit, von der ein junges Pferd nur zu träumen vermag.
Im Alter von drei Jahren wurden die Hengste eingeritten und gründlich überprüft, um ihre Zukunft zu bestimmen: Kavalleriepferd, Reitpferd oder sogar als Deckhengst für Trakehnen und die Ostpreußische Landespferdezucht.

Bei der hohen Grundqualität der Pferde wurden nur die allerbesten als mögliche zukünftige Zuchthengste ausgewählt. Diese mußten zunächst eine Leistungsprüfung bestehen. Diese dauerte ein volles Jahr und wurde in der staatlichen Hengstprüfungsanstalt Zwion abgehalten. Es war die erste Hengstprüfungsanstalt der Welt. Die Junghengste wurden gefahren, in Dressur und Springen ausgebildet, gingen Rennen und wurden in harten Fuchsjagden und Vielseitigkeitsprüfungen geritten. Alle Hengste wurden auf Charakter, Reitpferdeeigenschaften und Temperament geprüft. Nur die allerbesten dieser Tiere wurden ausgewählt, in Trakehnen zu decken.

Zwischen den Weltkriegen galt der Trakehner als das erfolgreichste Sportpferd der Welt. 1924 ging das olympische Gold in der Dressur an Piccolomini, die Silbermedaille errang Sabel. Bei den 1936 stattfindendenden olympischen Spielen errang der erst siebenjährige Kronos die Dressur-Goldmedaille, die Goldmedaille der Vielseitigkeit wurde von dem Trakehner Nurmi gewonnen und das siegreiche deutsche Team bestand aus zwei Trakehnern und einem englischen Vollblüter.

Das ostpreußische Warmblutpferd wurde nicht nur in alle europäischen Länder verkauft, sondern in die ganze Welt. 1938 betrug der Pferdebestand in Ostpreußen an die 478.000 Pferde. 1289 Hengste waren für die Bedeckungen von 89.628 Stuten zuständig. Trakehner Stuten wurden vielseitig eingesetzt: Sie dienten als schwer arbeitende Wirtschaftspferde auf dem Feld, mutige und gesunde Militärpferde, zur Fuchsjagd, zum Fahren und sie wurden nicht zuletzt auch zum Rennsport herangezogen. Zwischen 1921 und 1936 wurde die Pardubitzer Steeplechase, das schwerste Hindernisrennen der Welt, neunmal von Ostpreußischen Pferden gewonnen.

Aufgrund des ersten Weltkrieges war die Population Trakehner Pferde auf die Hälfte geschrumpft und es bedurfte großer Anstrengungen, die Zucht zu ihrer früheren Größe und ihrem früheren Qualitätsstandard zurückzuführen. 1944 jedoch, in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges, sah es so aus, als wären diese Anstrengungen vergeblich unternommen worden.

Es war eiskalter, ostpreußischer Winter, als die russische Armee die Front durchbrach und in Ostpreußen einmarschierte. Die ostpreußischen Menschen waren gezwungen, ihr Land zu verlassen und all ihr Hab und Gut zu verlassen, um ihr Leben retten zu können. Im Oktober 1944 wurde beschlossen, das Hauptgestüt Trakehnen zu evakuieren. 800 der besten Stuten, Hengste und Junghengste wurden auf Züge verladen und in Richtung des rettenden Westens gefahren. Die meisten dieser Pferde jedoch fielen in die Hände der Russen.
Die Privatzüchter und ihre Pferde bekamen keine Treckerlaubnis bis in den Januar 1945 hinein, wo es zum entkommen schon beinahe zu spät war. In einem furchtbaren, kalten Winter begann der große Treck in den rettenden Westen; zehntausende Menschen und ungefähr 18000 ostpreußische Pferde strebten, ihre wichtigsten Habseligkeiten auf dem Wagen, dem Westen zu. Die Stuten waren hochtragend, manchmal gab es tagelang nichts zu fressen für sie. Tausende starben auf diesem Treck, unzählige Pferde schafften es nicht weiter und mußten zurückgelassen werden - Das Schreckliche dieser Monate kann kaum in Worte gefaßt werden.

Schließlich erreichten viele Ostpreußen die Sicherheit des Westens - aber um welchen Preis. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges gab es Trakehnen nicht mehr. Dieses "Paradies der Pferde", eins eine Pferdestadt, war dem Verfall preisgegeben und nur eine Handvoll Trakehner Pferde überlebte diese furchtbarste Leistungsprüfung, die später nur als "der Treck" bezeichnet werden würde. Von der legendären, großen Trakehner Stutenherde überlebten nur die stärksten - 21 Original Hauptstutbuchstuten blieben der Zucht erhalten.